Es war wieder so weit. Ich zog die weiße Socke aus und da saß sie: eine Zecke, dickgesogen, direkt an der Wade. Mein Magen zog sich zusammen. Nicht schon wieder.

Die kleinen Biester lauerten überall – im hohen Gras, unter den Bäumen, am Wegrand. Ich konnte nicht mehr in den Park gehen, ohne danach zu zittern. Die teuren Mittel aus der Drogerie halfen kaum und rochen nach Chemie. Meine Haut juckte trotzdem.
Irgendwann hatte ich genug. Ich wollte etwas, das wirklich funktioniert, ohne mein Portemonnaie zu leeren. Also fing ich an, selbst zu experimentieren. Das erste Rezept klang fast zu einfach: Nelken und Alkohol.
Ich holte einen Plastikbehälter mit Messskala und goss 200 Milliliter Alkohol hinein. Dann suchte ich eine leere Sprühflasche, setzte einen Trichter auf und füllte den Alkohol um. Hundert Gramm Nelken kamen dazu. Der Geruch war intensiv, würzig, fast betäubend.
Ich schraubte die Flasche fest zu und stellte sie in die Küche. Vier Tage musste sie stehen. Jeden Tag schüttelte ich sie kräftig, damit sich alles vermischte. Nach vier Tagen hatte die Flüssigkeit eine dunkle, bräunliche Farbe angenommen.
Ich goss sie durch ein Sieb in eine Schüssel. Dann vier Esslöffel Babyöl hinein, gründlich umgerührt, und zurück in die Sprühflasche gefüllt. Fertig. Ich sprühte mir etwas auf die Handgelenke und kniete mich ins hohe Gras.
Keine Zecke kam in meine Nähe. Der Duft hielt sie fern wie eine unsichtbare Mauer. Dann dachte ich an meinen Hund. Er liebte es, durch Gebüsche zu streifen, und ich fand immer wieder Zecken in seinem Fell – an den Ohren, am Hals, zwischen den Pfoten.
Der Tierarzt hatte mir teure Präparate empfohlen, aber ich wollte etwas Sanfteres. Ein Freund flüsterte mir ein altes Hausmittel ins Ohr: Spülmittel, Essig, Shampoo und Salz. Ich mischte 100 Milliliter Wasser mit drei Esslöffeln Spülmittel, drei Esslöffeln Essig, einem Esslöffel geruchlosem Shampoo und einem Esslöffel Salz. Alles in eine Sprühflasche, gut geschüttelt, und dann meinen Hund damit eingesprüht – nur nicht ins Gesicht.
Er schüttelte sich einmal kurz, aber der Geruch verflog schnell. Seitdem habe ich keine Zecke mehr bei ihm gefunden. Keine Flöhe, keine Läuse. Sein Fell glänzte sogar mehr als vorher.
Für mich selbst machte ich noch ein zweites Spray mit Rosmarin. Zecken hassen diesen Duft. Ich holte eine kleine Flasche, goss einen Esslöffel Wodka hinein – der hilft, das Öl länger haltbar zu machen –, dann ein Drittel Glas destilliertes Wasser und etwa vierzig Tropfen Rosmarinöl. Alles gut vermischt, in einen Zerstäuber gefüllt.
Vor jedem Spaziergang sprühte ich mir das auf die Haut. Die Flasche steckte ich in die Tasche. Praktisch für unterwegs, beim Picknick mit Freunden im Park. Ein anderer Tipp kam von einer Nachbarin: Ameisenspiritus aus der Apotheke.
Das ist Ameisensäure mit Wasser und Ethanol. Einfach eins zu eins mit Wasser verdünnen, in eine Sprühflasche geben und auf die Kleidung sprühen. Ich probierte es an einer alten Hose aus. Der Geruch war scharf, aber nach einer halben Stunde verflogen die meisten Noten.
Ich lief durch ein Wäldchen, das früher voller Zecken war. Nichts. Kein einziger Biss. Ich merkte, dass ich immer mutiger wurde.
Ich suchte nach weiteren Methoden. Kaffee, zum Beispiel. Kaffee hat einen starken Geruch, den Insekten nicht mögen. Ich gab zwei gehäufte Esslöffel Kaffee in ein Glas, goss warmes Wasser darüber, ließ es ziehen, seierte den Satz ab.
Dann ein paar Tropfen ätherisches Öl – Zitrone, Lavendel oder Eukalyptus – und etwa 500 Milliliter Wasser dazu. Alles in eine größere Sprühflasche. Ich besprühte damit die Terrasse, die Türrahmen, den Garten. Und für unterwegs füllte ich eine kleine Reiseflasche ab.
Die Unterarme, die Beine – das hielt nicht nur Zecken, sondern auch Mücken und Bremsen fern. Für meinen Hund entdeckte ich noch eine Extra-Pflege: Natron und Essig. Ein Esslöffel Natron in ein Gefäß, Essig dazu. Die Mischung schäumt kurz auf, neutralisiert Gerüche und reinigt das Fell.
Ich rieb es sanft ein, ließ es kurz einwirken, spülte aus. Sein Fell wurde weich und glänzend – und die Zecken blieben weg. Seit Jahren hat mein Hund keinen einzigen Zeckenbiss mehr gehabt. Ich habe jetzt immer eine kleine Flasche selbstgemachtes Spray in der Tasche.
Egal ob ich im Wald jogge, im Park sitze oder mit Freunden picknicke – ich habe keine Angst mehr. Die Zecken meiden mich. Und das Beste: Es kostet fast nichts. Die Zutaten hat man meist zu Hause.
Neulich zeigte mir ein Freund eine Pflanze, die ab Mitte Juli an Wegesrändern blüht – leuchtend gelbe Blüten. Ein natürlicher Zeckenschutz, sagte er. Man pflückt ein paar Zweige, nimmt sie mit nach Hause. Seitdem sammle ich sie im Sommer.
Der Geruch allein vertreibt die Biester. Ich muss nicht mehr in die Apotheke rennen oder teure Mittel bestellen. Ich habe gelernt, mich selbst zu schützen. Und wenn ich jetzt nach einem langen Tag im Freien nach Hause komme, ziehe ich die Socken aus, checke die Haut – und finde nichts.
Nur die Erinnerung an die eine Zecke, die alles ins Rollen brachte.


