Wer die Kosten für einen Pflegeheimplatz nicht mehr allein bezahlen kann, steht oft vor vielen Fragen. Reichen die Leistungen der Pflegeversicherung, die gesetzliche Rente und das eigene Vermögen nicht aus, kann unter bestimmten Voraussetzungen das Sozialamt mit der Hilfe zur Pflege einspringen. Gleichzeitig müssen Kinder nicht automatisch für die Heimkosten ihrer Eltern aufkommen. Entscheidend sind die gesetzlichen Einkommensgrenzen und die individuelle finanzielle Situation.

Das Wichtigste zu den Kosten im Pflegeheim
Reichen die Leistungen der Pflegekasse, die gesetzliche Rente und das eigene Vermögen nicht aus, kann der Pflegebedürftige beim Sozialamt Hilfe zur Pflege beantragen. Das Sozialamt prüft anschließend die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse.
Erwachsene Kinder müssen grundsätzlich erst dann für die Pflegekosten ihrer Eltern einstehen, wenn ihr eigenes jährliches Gesamteinkommen mehr als 100.000 Euro brutto beträgt. Das Einkommen des Ehepartners wird dabei nicht einfach hinzugerechnet.

Auch Eltern eines pflegebedürftigen erwachsenen Kindes werden grundsätzlich erst oberhalb dieser Einkommensgrenze herangezogen. Reichen die Mittel des Kindes nicht aus, können Leistungen der Pflegeversicherung, der Eingliederungshilfe oder der Sozialhilfe greifen.
Wer zahlt welche Kosten für das Pflegeheim?
Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nicht die gesamte Heimrechnung. Sie zahlt bei vollstationärer Pflege einen festen Leistungsbetrag. Dessen Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Pflegegrad.
Die Pflegekasse beteiligt sich an den pflegebedingten Aufwendungen. Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten und freiwillige Zusatzleistungen müssen Pflegeheimbewohner dagegen grundsätzlich selbst bezahlen.
Zusätzlich erhalten Bewohner mit den Pflegegraden 2 bis 5 einen Leistungszuschlag auf den pflegebedingten Eigenanteil. Dieser steigt mit der Dauer des Heimaufenthalts und entlastet die Bewohner schrittweise. Trotzdem bleibt häufig eine erhebliche Finanzierungslücke.
Wann hilft das Sozialamt?
Viele Rentner können ihren Eigenanteil nicht allein aus der gesetzlichen Rente bezahlen. Zunächst werden die Leistungen der Pflegekasse sowie alle laufenden Einkünfte berücksichtigt. Dazu gehören beispielsweise die gesetzliche Altersrente, Witwen- oder Witwerrenten, Betriebsrenten, private Renten oder Mieteinnahmen.
Reichen diese Einkünfte nicht aus, muss grundsätzlich auch verwertbares Vermögen eingesetzt werden. Bestimmte Vermögenswerte bleiben jedoch als Schonvermögen geschützt.
Bleibt danach eine Finanzierungslücke, kann das Sozialamt im Rahmen der Hilfe zur Pflege die ungedeckten und angemessenen Heimkosten übernehmen.
Können Pflegewohngeld oder Wohngeld helfen?
In einigen Bundesländern gibt es zusätzlich Pflegewohngeld. Diese Leistung soll vor allem die Investitionskosten eines Pflegeheims abfedern. Einen bundesweiten Anspruch gibt es jedoch nicht.
Auch Wohngeld kann im Einzelfall für Bewohner eines Pflegeheims infrage kommen. Es ersetzt jedoch keine vollständige Finanzierung der Heimkosten und wird nicht automatisch neben Sozialhilfe gezahlt.

Muss das gesamte Vermögen eingesetzt werden?
Pflegebedürftige müssen verwertbares Vermögen grundsätzlich einsetzen. Dazu können Sparguthaben, Wertpapiere oder nicht selbst genutzte Immobilien gehören.
Nicht jedes Vermögen muss jedoch vollständig verbraucht werden. Das Sozialhilferecht schützt unter anderem einen Barbetrag für persönliche Bedürfnisse sowie weiteres Schonvermögen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Was passiert mit dem eigenen Haus?
Eine selbst genutzte Immobilie ist nicht automatisch verloren, wenn ihr Eigentümer in ein Pflegeheim zieht. Lebt beispielsweise der Ehepartner weiterhin dort, bleibt das Haus häufig geschützt.

Anders kann die Situation bei alleinstehenden Eigentümern sein, die dauerhaft nicht mehr in ihre Immobilie zurückkehren können. Dann kann das Haus grundsätzlich als verwertbares Vermögen berücksichtigt werden.
Ist eine verschenkte Immobilie sicher?
Viele Eltern übertragen ihre Immobilie schon zu Lebzeiten auf ihre Kinder. Eine solche Schenkung schützt jedoch nicht automatisch vor späteren Pflegekosten.
Reichen die eigenen Mittel später nicht mehr aus, kann unter bestimmten Voraussetzungen ein gesetzlicher Rückforderungsanspruch wegen Verarmung des Schenkers bestehen. Auch das Sozialamt kann diesen Anspruch prüfen.
Wann müssen Kinder für ihre Eltern im Pflegeheim zahlen?
Kinder müssen nicht automatisch die Heimkosten ihrer Eltern übernehmen. Erst wenn das Sozialamt Leistungen erbringt, kann geprüft werden, ob ein Unterhaltsanspruch besteht.
Entscheidend ist die Einkommensgrenze von mehr als 100.000 Euro jährlichem Gesamteinkommen des jeweiligen Kindes. Das Einkommen des Ehepartners wird dabei nicht einfach hinzugerechnet. Auch das Vermögen entscheidet nicht darüber, ob diese Grenze überschritten ist.
Mein erwachsenes Kind lebt im Pflegeheim. Wer zahlt?
Reichen Einkommen und Vermögen eines pflegebedürftigen erwachsenen Kindes nicht aus, können Leistungen der Pflegeversicherung, der Eingliederungshilfe oder der Sozialhilfe greifen.
Auch Eltern werden grundsätzlich erst dann zum Unterhalt herangezogen, wenn ihr eigenes jährliches Gesamteinkommen mehr als 100.000 Euro beträgt.
Wer bezahlt Hilfsmittel und Windeln im Pflegeheim?
Hilfsmittel, die zur allgemeinen Ausstattung des Pflegeheims gehören, muss die Einrichtung bereitstellen.
Individuell benötigte medizinische Hilfsmittel können dagegen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Für Pflegehilfsmittel kann die Pflegekasse zuständig sein.
Auch medizinisch notwendige Inkontinenzhilfen wie Windeln werden bei entsprechender ärztlicher Verordnung grundsätzlich von der Krankenkasse übernommen. Gesetzliche Zuzahlungen oder Mehrkosten können dennoch entstehen.
Welche Vorteile haben Rentner?
Auch bei einer niedrigen gesetzlichen Rente bleibt die notwendige Pflege grundsätzlich gesichert. Reichen Einkommen und Vermögen nicht aus, kann das Sozialamt einspringen.

Zudem schützt die Einkommensgrenze von 100.000 Euro viele Kinder davor, für die Heimkosten ihrer Eltern aufkommen zu müssen.
Welche Nachteile gibt es?
Die gesetzliche Rente wird grundsätzlich zur Finanzierung der Heimkosten eingesetzt. Auch verwertbares Vermögen kann eingesetzt werden müssen.
Immobilien, Schenkungen, Wohnrechte oder Nießbrauch können zu komplizierten rechtlichen Fragen führen. Außerdem übernimmt das Sozialamt grundsätzlich nur notwendige und angemessene Kosten.


