Berliner soll fast 60 Frauen betäubt und vergewaltigt haben

Ein 68-jähriger Mann aus Berlin soll Dutzende Frauen betäubt, vergewaltigt und gefilmt haben. Die Ermittler gehen von bis zu 58 Opfern aus.

Pelicot-Fall in München? Student (27) soll Frau betäubt und vergewaltigt  haben - Prozessauftakt - München - SZ.de

Ein aufsehenerregender Fall mutmasslicher Serienvergewaltigungen, bei denen ahnungslose Opfer gefilmt wurden, erschüttert Deutschland. Die Berliner Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe Anklage gegen einen 68-jährigen deutschen Staatsangehörigen erhoben. Im Fokus stehen 22 Fälle sexueller Übergriffe auf 14 Frauen. Der Mann, ein Elektriker, befindet sich seit März in Untersuchungshaft, wie der «Guardian» schreibt.

Da der Verdächtige jede der mutmasslichen Vergewaltigungen aufgezeichnet haben soll, seien «sämtliche Taten zugleich im Zusammenhang mit einer Verletzung des Rechts am eigenen Bild» angeklagt worden, erklärte die Berliner Staatsanwaltschaft.

Zehn betroffene Frauen noch nicht identifiziert

Die laufenden Ermittlungen hätten «zahlreiche mutmassliche Straftaten zum Nachteil von insgesamt 58 Frauen» ergeben. Zehn der betroffenen Frauen seien bislang noch nicht identifiziert. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte die Frauen mit verschiedenen Schlafmitteln in Kombination mit Alkohol betäubt und anschliessend vergewaltigt haben. Zuvor habe er die Frauen über Online-Dating-Plattformen kennengelernt und gezielt angelockt.

Die mutmasslichen Opfer, die bisher vernommen wurden, geben an, erst durch die Videos von den mutmasslichen Straftaten erfahren zu haben. (Symbolbild)
Die mutmasslichen Opfer, die bisher vernommen wurden, geben an, erst durch die Videos von den mutmasslichen Straftaten erfahren zu haben. (Symbolbild)Getty Images

Die bislang vernommenen mutmasslichen Opfer erklärten, sie könnten sich an die Übergriffe nicht erinnern und hätten «erst durch die Auffindung der Tatvideos» von den mutmasslichen Straftaten erfahren. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat sich der Beschuldigte bislang nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen geäussert.

Anderer mutmasslicher Täter führte zu 68-Jährigem

Der Fall kam durch einen Hinweis der Polizei aus Niedersachsen ins Rollen. Dort waren Anfang 2025 ähnliche Vorwürfe gegen einen inzwischen verstorbenen Mann untersucht worden. Dieser soll über Online-Chats Kontakt zu dem Berliner Verdächtigen gehabt haben.

Der Hinweis führte zu einer Durchsuchung der Wohnung des Mannes im Berliner Stadtteil Friedrichsfelde, bei der die Polizei umfangreiches digitales Beweismaterial sicherstellte. Im Jahr 2026 entdeckte ein Ermittler mehrere Videos sexueller Übergriffe, auf denen der Beschuldigte mutmasslich als Täter zu sehen ist.

Kein Einzelfall

Im März dieses Jahres durchsuchte die Polizei seine Wohnung erneut und nahm ihn fest. Die Vorwürfe erinnern an ähnliche Fälle, die in diesem Jahr in Berlin und München bekannt wurden und bei denen Frauen nach mutmasslicher Betäubung wiederholt sexuell missbraucht und dabei gefilmt worden sein sollen. Deutsche Medien zogen auch Parallelen zum Fall der Französin Gisèle Pelicot.